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Armenien 2014 – Ich bin verliebt

Ja, genau, einfach verliebt in diesem Land. Viele Leute haben mir erzählt, wenn du irgendwann nach Armenien reist, dann besuchst du dieses Land jedes Jahr! Ich habe es nicht geglaubt, aber nach 7 Tagen war ich überzeugt. Es war eine unglaubliche Woche mit der Liebe zu diesen Menschen, meine Blutverwandte, zu dieser fantastischen Natur, zu unseren Kirchen und Traditionen. Da ich Armenier bin, aber mein Vaterland immer Bulgarien ist, hatte ich niemals Bezug zu heutigem Land Armenien gehabt. Meine Urgroßeltern waren Flüchtlinge vom Völkermord im 1915 und meine historische Heimat war Westarmenien (heutige Osttürkei). Aber jetzt bin ich da!

Mein Flug im Herbst 2014 hat sich mehrmals verändert, aber ich bin an Air France und den Streiks in Frankreich gewöhnt. Das Personal hat mehr als 10 Tagen gestreikt und letztendlich wurde ich auf einem Flug mit Czech Airlines von Frankfurt über Prag nach Jerewan umgebucht. Ich habe nur 1 Tag verloren und war ungeduldig, worauf ich mich einlasse, wohin ich fliege. In Prag sind viele Armenier eingestiegen und das seltsamste im Handgepäck waren die zahlreiche Torten “MARLENKA”. Diese Honigtorte wird nach einem alten armenischen Rezept von Gevorg Avetisyan und seiner Schwester produziert und im Namen seiner Mutter und Tochter ist Marlenka genannt.

Diese Reise habe ich mit Hilfe von Hyur Service in Jerewan organisiert und ich war begeistert. Da ich nur 7 Tage hatte, wollte ich so viel wie möglich sehen und sie haben mir ein tolles Programm zusammengestellt.

27.09 – Jerewan Stadtrundfahrt mit Erebuni Museum, Tsitsernakaberd Genozid Denkmal, Heilige Bibliothek Matenadaran

Heute haben wir das Erebuni Museum und die Festung besucht. Erebuni ist Jerewans alten Namen und es handelt sich um die älteste besiedelte Stadt der Welt, die im 8. Jahrhundert vor Chr. von den urartäischen Königen Argišti I. und Sarduri II. errichtet worden ist. Beweis dafür ist die Keilschrift von des Königs Argišti I. an den Reichsgott Haldi. Von der Zitadelle sieht man die ganze Stadt und das Berg Ararat. Traumhaft!

 

Später sind wir zu Tsitsernakaberd (Zizernakaberd) Genozid Denkmal gefahren. Dieses Denkmal wurde 1968 gebaut und dem Völkermord an den Armeniern 1915 gewidmet. Daneben existiert auch das Genozid Museum, welches ich im Jahr 2018 (Armenien 2018 – Noah’s Landbesucht habe und weltweit einmalig ist. Als wir der Denkmalkomplex erreicht haben, sind mir Tränen in den Augen geflossen. Man sieht Ararat, das heilige Berg aller Armenier, worauf laut der Bible Noah’s Sarg gelandet ist…dazu hört man traurige Musik von Komitas und denkt an Grausamkeiten, die unser Volk erlebt hat. Ich denke immer wieder an einem Film…“Mayrig“!!!

Im sind Bäume zum Gedenken an die Opfer gepflanzt. Es sind viele Plaketten von Präsidenten, Künstlern und Organisationen zu sehen, die an Opfern gedacht haben. Der Denkmalkomplex besteht aus drei Elementen: einem 44 Meter hohen Obelisken, der als Symbol der Teilung des historischen armenischen Siedlungsgebiets der Länge nach gespalten ist, zwölf Pylonen rings um die ewige Flamme und einer 100 Meter langen Mauer mit den Namen der Städte und Dörfer, in denen die Opfer des Massakers wohnten. Auf der Rückseite der Gedenkmauer befinden sich Gedenkplatten für Personen, die sich während und nach dem Völkermord für die Opfer eingesetzt haben (u. a. Johannes Lepsius, Franz Werfel, Armin Wegner, Henry Morgenthau, Fridtjof Nansen, Papst Benedikt XV, Jakob Künzler, Bodil Biørn, Hedwig Büll). In der Mitte befindet sich die ewige Flamme!

Unser letzte Highlight an diesem Tag war die heilige Bibliothek Matenadaran! Das atombombensichere Mesrop-Maschtoz-Institut für alte Manuskripte ist das Zentralarchiv für alte armenische Handschriften und seit 1962 ist es nach dem Heiligen Mesrop Maschtoz benannt, dem Entwickler des armenischen Alphabets im Jahr 404-405 n.Chr. Im Jahr 1997 wurde die Sammlung von Handschriften von der UNESCO zum Weltdokumentenerbe erklärt. Der Hauptteil des Bestandes von 17.000 Handschriften geht auf die Bibliothek des Katholikats der Armenischen Apostolischen Kirche in Echmiadsin zurück. Die Sammlung beinhaltet sehr seltene Manuskripte bekannter armenischen Schrifsteller wie Movses Horenazi (5 Jh.) oder Anania Shirakazi (7 Jh.) , alte Karten, Medizinbücher, Öle und Zutaten aus Armenien, Wörterbücher, Zeitungen, alte Biblien und vieles mehr. Unser Guide hat über die Geschichte der Bibliothek und der Sammlung erzählt.

  • Besonderheiten dieser Sammlung ist die kleinste Bibel und der kleinste Druckkoran;
  • Das erste Druckbuch in Armenisch (15 Jh.);
  • Älteste Manuskript-Karte in Armenisch (13-14 Jh.);
  • Türkische Bibel mit armenischer Schrift aus Konstantinopol;

Ein Muss für jeden Tourist ist der Artmarkt „Vernissage“. Am Wochenende ist es total voll, weil viele Händler und Künstler Ihre Ware verkaufen. Natürlich kann man ihn auch während der Woche besuchen und mit viel Spaß verhandeln oder einfach spazierengehen und die armenische Art geniessen. Es gibt unterschiedliche Sektoren wie zum Beispiel Malerkunst mit tollen Bildern oder Holzkunst mit Geschenken wie Backgammon, Schach (Nationalsport in Armenien und Pflichtfach in der Schule) sowie Duduk (Nationalinstrument) sowie Teppiche, Bücher und vieles mehr.

28.09 – Sonntagsgottesdienst in der Mutterkirche Echmiadzin, St. Hripsime and St. Gayane Kirchen, Zvartnots Tempel

Meine Reise ist heute angefangen und ich war schon müde. Die erste Nacht in Armenien war total entspannt und gleichzeitig aufgeregt, weil ich morgen zum Gottesdienst in der Mutterkirche Echmiadzin gehen möchte. Außerdem sind zwei sehr wichtige Kirchen (St. Gayane – 630 n.Chr. und St. Hripsime 618 n.Chr.) auf dem Plan und einen Besuch des Zvartnots Tempels mit den dazu gehörenden archeologischen Ruinen. Alle 4 Kirchen stehen in der   Weltkulturerbe von UNESCO.

Im Jahr 301 hat Armenien unter König Trdat III als erstes Volk der Welt das Christentum aufgenommen. In diesem Zeitraum wurden eine der wichtigsten Kirche im Land gebaut. Die St. Hripsime Kirche wurde im Jahr 618 von Katholikos Komitas gebaut. Sie ist Teil von einem Mausoleum, das im 4. Jahrhundert errichtet worden ist und die Reste von Mär­ty­rerin schützt. Laut der Geschichte von Agathangelos wurde Hripsime für ihre christliche Glaube geopfert. Da der König Trdat III sie heiraten wollte, aber Hripsime eine Nonne blieb, ließ er sie enthaupten.

Nach einer kurzen Fahrt haben wir die wunderschöne „Surp Gayane“ Kirche besucht. Sie ist auch eine der Älteste in Armenien und wurde im Jahr 630 erbaut. Die heilige Gayane war die Lehrerin von Hripsime und hatte das gleiche Schicksal wie ihre Schülerin.

Es ist 10:30 und wir erreichen die Mutterkirche Echmiadzin. Heute war das Fest des heiligen Kreuzes von Varague. Die Kirche war voll und es war unglaublich inspirierend. Mein Traum ist wahr geworden und ich betrete die heiligste Kirche aller Armenier. Ein ab 301 auf Geheiß des ersten Katholikos Gregor der Erleuchter über den Fundamenten eines heidnischen Tempels errichteter Kirchenbau soll im August 303 eingeweiht worden sein. Sie ist die älteste Kirche der Welt, die ab der Gründung bis heute existiert und besitzt 2 Altare. Ein Hauptaltar und ein Altar in der Mitte, wohin der Heilige Geist bei der Errichtung gekommen ist. Wir, die Armenier, sind sehr stolz auf unsere christliche Glaube und dieser Besuch ist eine Pflicht für alle Gläubige. Laut viele Zählungen hat das armenische Volk 96% Religionszugehörigkeit. Ich habe die Mutterkirche mehrmals besucht und ich werde eine ausführliche Darstellung in diesem Beitrag machen.


Gottesdienst

Nach dem Gottesdienst haben wir die Zvartnots Tempelanlage und die dazu gehörenden archeologischen Ruinen besucht. Schon in heidnischer Zeit während des Urartu Königreichs wurde hier ein Tempel errichtet und später im 643-652 eine Kirche gebaut, die als Sitz des Katholikoses Nerses III Ischkanetsi (geboren in Ischkan, Iran, wo in seinem Geburtsort ähnliche Basilika existiert) diente. In Museum kann man sich über die Geschichte und die einzigartige Architektur dieser Kirche informieren. Sie war mit 45 Meter nicht nur die höchste Kirche der Welt, sondern auch ein architektonisches Wunder.

29.09 – Garni Tempel, Geghard Kloster

Einen wunderschönen sonnigen Tag begleitet uns zum heidnischen Tempel Garni und fantastischen Kloster Geghard, die auch einen Teil von Weltkulturerbe von UNESCO sind. Es dauert knapp 1 Stunde ab Jerewan und wir passieren die wundervolle Natur samt Berg Ararat!

Garni und das Ararattal waren im 8 Jahrhundert vor Chr. ein Teil von Königreich Urartu. Der heidnische Tempel ist während der Herrschaft von König Argisti I (786-764 BC) gebaut worden. Innerhalb des Komplexes sind zahlreiche Inschriften gefunden, die über eine Handelsroute von Sevansee über die Berge erzählen. So behaupten die Historiker, dass die Garniani eine wichtige Rolle in dieser Zeit gespielt haben.


Zum Mittagessen haben wir noch ein Wunder der armenischen Küche gegessen, nämlich „Armenischer Snickers“ 😉 Es handelt sich um Wallnüsse mit Honig umhüllt mit Blättern getrockneter Früchte. Großartig und gesund! Ich habe meine armenische Sprache mit den Omas geübt und paar „Snickers“ mitgenommen. Da dieses Essen nur aus Naturprodukten hergestellt ist, hat kein Haltbarkeitsdatum und ich kann mit nach Deutschland nehmen.

Armenian Snickers 🙂

Kloster Geghard oder Kloster der Heiligen Lanze gilt als eine der bedeutendsten Wallfahrtsstätten der armenischen Christen. Hier wurde lange Zeit die heiligste Reliquie der armenischen Kirche aufbewahrt, die Apostel Thaddäus ins Land gebracht haben soll und zurzeit in der Mutterkirche Echmiadzin ausgestellt ist. Die heilige Lanze war von einem römischen Legionär mit Namen Longinus zur Überprüfung des Todes Jesu am Kreuz verwendet worden. Der Kirchenkomplex stammt aus dem 4. bis 13. Jahrhundert und zeigt die höchste Kunst mittelalterlicher Architektur. In der Frühzeit hieß das Kloster wegen seiner Felsenkonstruktion Ayrivank (Kloster in der Höhle). Das Kloster Geghard wurde nach Überlieferung des Heilige Gregor des Erleuchters gegründet und nach der Annahme des Christentums als Staatsreligion in Armenien im Jahr 301 errichtet. Der architektonische Hauptkomplex wurde im 13. Jahrhundert nach Chr. mit den selben Steinen fertiggestellt und besteht aus der Kirche, der angrenzende Narthex, östliche und westliche Felsenkirchen, das Familiengrab der Proshyan-Fürsten, die Grabkapelle von Prinz Papak und seine Ehefrau Ruzukan sowie verschiedene Zellen und zahlreiche Steinkreuzsteine (Khachkars). Innerhalb des Klosters gibt es eine Wasserquelle, die nach Überlieferungen heilt. Die Akkustik der Räume ist einzigartig und unser Guide hat für uns gesungen!!!

03.10 – Haghpat & Sanahin Kloster , Dorf Dsegh und Tumanyan Haus-Museum

Auf dieser Reise habe ich für 3 Tage Arzach (Nagorno-Karabach) besucht und meine Begeisterung von den wunderschönen Kirchen, Sehenswürdigkeiten und den lieben Menschen in dieser Region werde ich später in diesem Beitrag erzählen!

Erstmal möchte ich 2 fantastischen Kloster präsentieren, die auch Teil der Weltkulturerbe von UNESCO sind!

Es war einen sehr nebligen und kalten Herbsttag und meine Reise war zu Ende. Ich hatte schon Tränen in den Augen, weil ich in diesem Land verliebt war. Diese beiden byzantinischen Klöster in der tumanischen Region aus der Blütezeit der Kiurikian-Dynastie (10. bis 13. Jahrhundert) waren wichtige Lernorte. Die beiden Klosterkomplexe repräsentieren die höchste Blüte der armenischen Sakralarchitektur, deren einzigartiger Stil sich aus einer Mischung byzantinischer Kirchenarchitektur und der traditionellen Volksarchitektur der kaukasischen Region entwickelte.

Das Kloster von Haghpat, gegründet von Königin Khosrovanush (Ehefrau des armenischen Königs Ashot III. Der Barmherzige) im Jahre 976, besteht aus einem Hauptgebäude, zwei Korridorgräbern, einem Refektorium, einem Skriptorium, der Kapelle von Hamazasp, einem Glockenturm und mehreren Kapellen – Grabsteine und Kreuzsteine (Chatschkars), alle umgeben von einem Turm. Die Ansätze dazu wurden von der Kayanberd-Festung aus beobachtet, die eigens zu diesem Zweck im 13. Jahrhundert erbaut wurde. Eine armenische Touristengruppe hat die Akkustik getestet und wir waren fasziniert! Sie haben gesungen und es wurde noch mystischer – Nebel, 1000 Jahre altes Kloster und die turbulente Gefühle in mich!

Das Kloster Sanahin hat seinen Namen aus dem Ausdruck „Sa na hin e“= dieser ist älter“. Jemand hat ihn gesehen und festgestellt, dass Sanahin älter als sein Bruder Haghpat aussieht. Das Kloster war für seine Schule der Illuminatoren und Kalligrafiker bekannt. Sanahin war früher das Verwaltungszentrum und die Familiengrabstätte der Kyurikyan-Bagratiden (10. und 11. Jahrhundert) sowie der Bischofssitz der Diözese (bis zum 11. Jahrhundert). In Sanahin sind mehr als 50 Khachkars (Kreuzsteine) erhalten, unter denen die Chachkars von Grigor Tuteordi (an der Nordwand der St. Harutyun-Kirche von Mkhitar Kazmich) und Sargis (an der Westwand der St. Astvatsatsin-Kirche) am wertvollsten sind. Diese Chachkars gelten als eines der besten Beispiele für mittelalterliche armenische Skulpturen. Zum geschützten Grundstück gehört auch die monumentale einspanige Steinbrücke über die Debet-Schlucht, eine Brücke, die in ihrer ursprünglichen Form aus dem 13. Jahrhundert erhalten wurde.

Ich als Armenier aus Bulgarien habe nie über Tumanyan gehört und es war eine Schande. Owanes Tumanyan war ein berühmter Schriftsteller und Dichter und wurde in Dsegh geboren. Nach seinem Tod sind seine Überreste in einem Mausoleum auf dem Grundstück begraben. Heute hatte ich das Glück sein Haus-Museum zu besuchen und Teil seiner Geschichte zu sein. Es wurden viele Gedichte und Romane von ihm ausgestellt sowie zahlreiche Bilder seines Lebens. Außerdem gab es ein Geschenk von einem armenischen Juwelier, indem sein goldenes Porträt auf einem Reiskorn gemeisselt wurde und unter Lupe zu sehen ist.

Wir hatten einen Rückweg von ca. 5 Stunden und ich habe armenische Musik gehört. Mein Herz weinte!!!Aber das war nicht alles! Ich habe die Kunst der armenischen Küche gesehen – „Lavash“ = Armenisches Brot!

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