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Armenien 2018 – Noah’s Land

Ende September habe ich wieder eine inspirierende Reise nach Armenien unternommen. Mein Tag ist mit Ararat, der heilige Berg aller Armenier, vom Balkon begonnen. Was brauche ich mehr…es ist ein Traum!


At the end of September, I made another inspiring trip to Armenia. My day started with Ararat, the holy mountain of all Armenians, from the balcony.What more do I need … it’s a dream!


През Септември се насочих за пореден път към моята историческа родина Армения и моят ден започна с гледка към Арарат от моят балкон…просто фантастично! От какво повече се нуждае един арменец в този първи момент!


 

Im Jahr 2018 habe ich Armenien zum 4. Mal besucht. Mein Land – Noah’s Land! Dieses Jahr feiert die Hauptstadt Jerewan 2800 Jahre Existenz. Erebuni ist Jerewans alten Namen und ist die älteste besiedelte Stadt der Welt, die im 8. Jahrhundert vor Chr. von den urartäischen Königen Argišti I. und Sarduri II. errichtet worden ist. Leider wurden die Feierlichkeiten verschoben und mit dem Gipfel der Frankophonie zusammen gelegt. Ich war nicht traurig, weil es gibt genug zu sehen. Jedes Mal entdecke ich die Schönheiten des Landes und dieses Mal möchte ich mit meinem lieben Freund Ter Barduhimeos die Umgebung von Djermuk, Vayk und Sevan kennenlernen. Er ist Pfarrer der Gemeinde in Nubarashen, Jerewan und nur mit ihm kann diese Reise noch inspirierender und sehr interessant sein.

Dieses Mal bin ich mit Ukrainischer Fluggesellschaft geflogen und die Verbindung von Frankfurt über Kiew nach Jerewan ist mit wenig Wartezeit sehr gut. Im Flugzeug habe ich Jesiden aus der Ukraine kennengelernt. Die Erwachsene sind in Armenien geboren und später in die Ukraine umgezogen. Ihre Kinder aber sind in der Ukraine geboren und sie haben erstaunlicherweise gut armenisch gesprochen. Sie haben mir erzählt, dass die armenische Kultur in ihnen tief verwurzelt ist. Jesiden leben seit Generationen in Armenien und sie sind eine gut integrierte Minderheit. Nach Schätzungen beträgt Ihre Anzahl etwa 10% der Bevölkerung und historisch haben sie immer an der Seite der Armenier gekämpft, zum Beispiel die Schlacht von Sardarabad.

Am Freitag, den 28.9.2018 hat mich Ter Hayr Barduhimeos um 6:00 Uhr abgeholt und wir sind losgefahren. Es war traumhafter Morgen mit klarer Sicht auf Ararat und wir haben einen sonnigen Tag erwartet. Aber ist wie immer Unerwartetes passiert. Nach 2 Stunden Fahrt sind wir zum Kaffeetrinken auf der Straße gestoppt und dieser Stopp ist im Krankenhaus in Vayk beendet;) Ich habe meinen Fuß umgeknickt! So dumm bin ich gestolpert und jetzt haben sich unsere Pläne teilweise verändert. Wir wollten wandern gehen, aber jetzt müssen wir die Sehenswürdigkeiten und die Natur mit dem Auto ansehen:)

1. Stop: Selim Caravanserai

Zum Selim Caravanserai führt  eine malerische Fahrt mit vielen Kurven und tolle Aussichten. Diese Übernachtungsmöglichkeit wurde im 1332 von Prinz Chesar Orbelian gebaut und diente hautpsächlich als Zwischenstopp für die Reisende durch diese Händlerstraße. Das Gebäude ist ein sehr gutes Beispiel der sekulären armenischen Architektur im Mittelalter.

2. Stop: Vayk, die Kirche St. Drtad, Kloster Gndevank

In Vayk haben wir Bruder und Cousin von Ter Barduhimeos mitgenommen und unser Trip mit einem Gebet in der St. Drtad Kirche gestartet.

Mit einem Geländewagen sind wir zum Kloster Gndevank gefahren. Dieses Kloster liegt 17 km von Vayk (Vayodz Dzor) entfernt und eine wunderbare Straße hat uns hingeführt. So viel Schönheit habe ich selten gesehen. Man sieht tolle Natur, einmalige Felsen und am Ende erreicht ein sehr altes Kloster. Auf der Klosteranlage befindet sich die Surp Stepanos Kirche (St. Stefan), die im 10. Jahrhundert gebaut ist. Die Mönche haben uns herzlich empfangen und gesegnet, obwohl sie keine Touristen bevorzugen. Sie haben ihr Leben dem Gott gewidmet und wollen nicht von der Außenwelt gestört werden. Der Leiter hat uns über das Leben der Mönche und Ihre Beschäftigungen erzählt. Sie beten 5 Mal am Tag und arbeiten in der Landwirtschaft, weil sie Ihr Essen selber herstellen.

3. Stop: Kloster Martiros und Kloster Shatin

Wir haben unsere Fahrt in der Umgebung fortgesetzt. Bleibt ein Tourist nur in Jerewan würde niemals die Dorfatmosphäre in Armenien erleben. Man findet zahlreiche verlassene Dörfer an der Grenze mit Nachichevan. Hier ist oftmals unruhig und wird an der Grenze geschossen, trotzdem sind die Leute in Ihrer Heimat geblieben. Leider leben immer weniger Armenier auf dem Land im Vergleich zu Hauptstadt, wo 30% der Bevölkerung konzentriert ist.

Nun erreichen wir das Dorf und das Kloster Martiros. Es ist vom 13. Jahrhundert und befindet sind in einem Felsen des Nazar Bergmassives. Kloster Martiros und die Kirche St. Astvatsatsin sind der zweite berühmte Felsenkomplex nach Kloster Geghard in Armenien. Wenn man nicht weiß, dass hier eine Kirche existiert, würde sie nie finden. Unsere Leute aber sind Einheimische und wissen alles. Von hier sieht man auch die armenische Grenzposten und wir fühlen uns sicher!

Unsere Reise geht weiter zum Dorf Shatin und zum alten Kloster Shatinvank. Ich hätte niemals gedacht, dass in Armenien auch abenteuerlich sein kann. Ohne Geländewagen kann man dieses Gottes Haus nie erreichen. Wir haben die Bauer nach dem Weg gefragt und losgefahren. Es dauerte mehr als 20 Minuten das Gebirge aufwärts und wir sehen das Kloster immer noch nicht. Im Mittelalter wurden viele Kirchen versteckt gebaut, damit für Invasoren wie Mongolen schwer zu erreichen sind. Wildtiere haben unser Weg gekreuzt, traumhafte Natur hat sich immer wieder gewechselt und endlich ist das Kloster da! Dank der Umgebung wirkt es sehr mystisch und ziemlich verlassen. Wie haben die Priester und die Gläubige dieses Haus Gottes erreicht? Gab es regelmäßig Gottesdienste und haben die Dorfbewohner diese Kirche besucht? Viele Gläubiger finden heutzutage keine Zeit zum Gottesdienst, obwohl die Kirche 5 Minuten entfernt liegt. Solche Fragen entstehen in meinem Kopf und ich vergleiche es mit den Felsenkirchen in Äthiopien. Da klettern manche Priester über steile Felsen, damit sie Ihre Kirchen erreichen können. Dieses Kloster ist im 10. Jahrhundert gebaut und hat typische armenische Architektur. Leider ist heute eine Ruine. Viele Hachkars sowie alte Freskos sind überall zu sehen. Solche Stille und Sonnenuntergang – Mystik pur!

So langer Tag, mehr als 12 Stunden unterwegs und wir hatten schon Hunger. Auf dem Weg haben wir eine Fischzuchtstation besucht und das berühmte Rote Fisch aus Sevan gekauft. Dann haben wir gefeiert. Hier habe ich Liebe gespürt. Die Armenier sind so nette und liebe Menschen, besonders in den kleinen Städten. Viele sind sehr arm, aber mit offenen Herzen. Die Meisten in dieser Grenzregion sind Soldaten und unsere Helden im Gegenwart. Respekt! Obwohl die Einrichtungen in den Häusern nicht modern sind, bleiben diese Menschen glücklich. Das Glück wird nicht mit Geld verglichen, sondern mit dem Herz und sie haben ihr Herz für einen Fremder geöffnet. Jetzt habe ich eine neue Familie in Vayk! Außer Fisch, Salaten und Lavash (Armenisches Brot) habe ich zum 1. Mal weißer Granatapfel gesehen und gegessen. Er kommt aus Arzach und ist in Armenien nicht zu finden.

4. Stop: Jermuk(Dschermuk)

Nach einem emotionellen Tag haben wir in Jermuk übernachtet. Heute war sehr sonnig und wir wollten die schöne Umgebung ansehen. Erstmal haben wir die St. Gayane Kirche besucht und gebetet. Sie ist eine hübsche Kirche mit Wandmalereien, Ikonen und einen Stein in Form einer Fontäne, Symbol der Minerallwasserquellen der Region. Pfarrer Tatev hat uns herzlich empfangen und auf einem armenischen Jezve-Kaffee haben wir über die Gott und die Welt geredet. Jermuk ist eine Stadt mit viel Natur und prägende Geschichte. Sie ist mit den Wasserquellen berühmt, die eine Grundlage für das Mineraltrinkwasser und Medizintourismus durch Spa Hotels sind.

Diese schöne Stadt kann man am besten von oben geniessen und wir haben die Sesselbahn genommen. 5 Minuten Fahrt und WOW!

Und es war nicht alles. Bei unsere Wanderung haben wir noch mehr Schönheiten in der Region gesehen! Erstmal sind wir über die Brücke gegangen und danach zum höchsten Wasserfall in Armenien „Die Haare von der Meerjungfrau„.

Die Geschichte von Jermuk ist mit dem Denkmal von Israel Ori verbunden. Er war ein Diplomat und hat eine Rolle für die Befreiung Armeniens von Persia gespielt. Weitere Monumente sind die Denkmäler bekannter Befreiungskämpfer von ARF Dashnakzutyun. Sie haben mit dem Widerstand gegen die Türken während Abdul Hamid Massakers im 19. Jahrhundert angefangen und viele Armenier für den Kampf begeistert. Einige davon sind Antranik Ozanyan, Arabo, Nikol Duman, Keri, Sose Mayrig, Karekin Njdeh.

Heute gab es auch Geburtstag und ich war wieder an einem Tisch mit total liebe Menschen. Wie immer gab es tolles Essen, Lavash, Horovaz und Wein. Ich wurde wieder wie ein Familienmitglied empfangen und habe in Armenien weiter nur Liebe gespürt. Vielleicht hatte ich dieses Glück, die beste Leute kennen zu lernen. Ich merke es wieder, der größte Schatz dieses Landes sind die MENSCHEN.

 

5. Stop Areni

Auf dem Rückweg nach Jerewan wollten wir Areni besuchen. Auf meiner Reise nach Arzach habe ich hier schon eine Weinverkostung gemacht, aber die archeologische Sehenwürdigkeiten konnte ich nicht sehen. Es ist von großem Vorteil mit einem Pfarrer unterwegs zu sein, weil die Anlage um 19 Uhr geschlossen war. Nach einem Small Talk ist der Guide gekommen und er hat uns ganz freundlich alles gezeigt 🙂 In den Höhlen wurden unterschiedliche Artefakten gefunden wie zum Beispiel der älteste Schuh der Welt (3500 vor Christus), Silbermünzen und die älteste Weinherstellung (4000 vor Christus).

Ich plane 9 Tage in Armenien und wollte noch mehr sehen. Jedes Mal fühle ich dieses Land wie meine Heimat. Ich liebe es auf den Straßen spazieren zu gehen, auf einer Bank zu setzen, um ein Buch zu lesen oder einfach die Leute zu beobachten. Gleichzeitig übe ich meine Sprache, weil nur hier kann ich armenisch lernen. An diesen Tagen, am 1. Oktober 2018 hat Armenien einen Held verloren. Charles Aznavour ist gestorben. Obwohl er in Frankreich geboren ist, war ein armenischer Held. Eine Ikone, eine Botschafter! An diesem Tag war sein „Charles Aznavour“ Platz voll mit trauernden Menschen mit Blumen. Alle haben geweint und überall war seine Musik zu hören. Die singende Fontäne haben seine Lieder dauernd gespielt!

Ich bin nicht sicher, ob es einen Zufall war, aber ich habe am nächsten Tag der Heldenfriedhof in Jerewan besucht. Er gehört hier neben Helden wie Monte Melkonian, Andranik Ozanian oder Robert Abajyan.

6. Stop: Sevanavank, Hayravank

Armenien ist mit Ihren Klostern und Kirchen sehr berühmt. Hier existieren die ältesten Kirchen der Welt. Die Apostel Thaddäus und Bartholomäus waren die erste Prediger in Armenien und nach dem Jahr 301 wurden viele Kirchen gebaut. Zwei Kunststücke der sakralen Architektur sind Sevanavank und Hayravank.

Sevan Kloster liegt am Sevansee und stand auf einer bis zum Ende des 8. Jahrhunderts unbewohnten Insel im See. Erst die massive Ableitung des Seewassers für landwirtschaftliche Bewässerungsprojekte während der Sowjetzeit und der dadurch stark reduzierte Wasserpegel machten aus der einstigen Insel die heutige Halbinsel. Die Klosteranlage hat 2 Kirchen und eine Inschrift von Jahr 874 datiert deren Gründung. Daneben befindet sich eine Priesteruniversität.

Hayravank Kloster ist nur 2 km von hier entfernt und es hat für mich eine besondere Bedeutung. Da ich 3 Woche später Taufpate werde, wollte Ter Barduhimeos das goldene Kreuz für Mateos segnen. Das Kloster ist faszinierend und hat starke Anziehungskraft. Es ist sowohl sehr alt , als auch sehr spirituell geladen. Das Kloster wurde im 9.Jahrhundert gegründet und bringt mit sich eine tolle Geschichte. Bei der Invasion der Mongolen wollte der Pfarrer die Dorfbewohner retten. Er hat eine Absprache mit den Führern getroffen, dass alle Leute, die in der Kirche rein passen, nicht umgebracht werden dürfen. Danach hat er die hintere Tür offen lassen, sodass alle Menschen, die eingehen, auch ausgehen können. So ist der Wunder passiert!

Stop 7: Noratus Hachkar Friedhof

Ein weiteres Highlight in Armenien ist der Ort Noratus. Es ist ein Friedhof aus dem Mittelalter und mit seinen rund 900 Hachkaren das weltweit größte Hachkaren Feld. Mit über 10.000 zerstörten Monuments und Hachkaren war das Größte  Friedhof in Julfa, Nachitschewan.

Letzter Stop: Genozid Museum

Mehrmals habe ich Armenien besucht, aber bisher war ich noch nie im Museum des Genozides. Ich empfehle hier meine 131 Bilder in meinem Facebook Album!!!

Die Wörter sind sehr schwach diese Grausamkeit zu beschreiben! Wir, die neuen Generationen dürfen es niemals vergessen! So lernt man von den Fehlern in der Vergangenheit! Gott segne alle Armenier!

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